SACHSENMETALL unterstützt Wirtschaftswarntag am 29.01.2025

Anlässlich des Wirtschaftswarntages am 29.01.2025 erklärte SACHSENMETALL-Präsident (zugleich VSW-Präsident und damit sächsischer Arbeitgeberpräsident) Dr. Jörg Brückner gegenüber der Leipziger Volkszeitung und Sächsischen Zeitung:

1. Warum beteiligt sich Sachsenmetall am Aktionstag? Was erhoffen Sie sich davon, und inwiefern beteiligen Sie sich?

„Deutschlands Wirtschaftsleistung stagniert bereits seit über fünf Jahren, und auch die Prognosen für 2025 lassen keine Wende erkennen. Besonders betroffen von der Schwäche des Standorts Deutschland ist Sachsen, wo sich die wirtschaftlichen Probleme noch stärker bemerkbar machen. Die Hauptursachen dafür sind offensichtlich: hohe Arbeitskosten, exorbitante Energiepreise, eine überbordende Bürokratie sowie ein kontinuierlich wachsender öffentlicher Sektor.

Selbst das Wall Street Journal beschreibt die derzeitige Lage drastisch: „Deutschlands Geschäftsmodell ist kaputt – und niemand hat einen Plan B.“ Die Energiekosten in Deutschland sind teils zehnmal höher als im US-Bundesstaat Texas, während die Steuer- und Abgabenlast zu den höchsten weltweit zählt. Rund die Hälfte ihres Einkommens müssen deutsche Arbeitnehmer an den Staat abführen. Diese Einschätzung von außen sollte uns nachdenklich machen.

Deutschland hat sich in eine Sackgasse manövriert. Besonders der Mittelstand, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, ist mit der Bürokratie überfordert. Mit Vorgaben wie dem Lieferkettengesetz oder der EU-Entwaldungsverordnung werden politisch verfehlte Zielvorgaben kurzerhand bei den Unternehmen abgeladen, die dann lösen sollen, was Politik nicht schaffte.

Darüber hinaus stehen viele Unternehmen vor der Übergabe an die nächste Generation. Der Fortbestand und die Weiterentwicklung dieser Unternehmen sind ebenso zentral. Eine Abgeltung der Erbschafts- und Schenkungssteuer durch verbindliche Investitionsauflagen in gleicher Höhe würde helfen, bestehende Arbeitsplätze zu erhalten und neue aufzubauen.

Die strukturellen Probleme Deutschlands lassen sich nicht über Nacht lösen, doch eine sofortige Trendumkehr ist unverzichtbar. Der wirtschaftliche Abbauprozess hat längst begonnen.

Dabei darf wirtschaftliche Vernunft nicht gegen soziale Ziele ausgespielt werden – aber die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

Seit 2019 sind die Sozialausgaben um 20 Prozent gestiegen, während die Wirtschaft weniger als 1 Prozent gewachsen ist. Durchschnittsbeschäftigte tragen mit einer Abgabenquote von 46 Prozent eine immense Last. Allein 122 Milliarden Euro – über ein Viertel des Bundeshaushalts – fließen jährlich in die Grundsicherung im Alter. Diese Mittel fehlen für dringend benötigte Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Verkehr.

Auch die Arbeitsproduktivität gibt Anlass zur Sorge. Mit durchschnittlich 1.300 Jahresarbeitsstunden pro Erwerbstätigem war Deutschland 2023 Schlusslicht unter den OECD-Staaten. Gleichzeitig führt das Land europaweit bei Krankenständen, Urlaub und Freistellungen. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten verdoppelte sich von 2000 bis 2024 von 16 auf 30 Prozent – eine Entwicklung, die die Produktivität weiter belastet.

Die Maxime bleibt jedoch: Ohne Fleiß kein Preis, ohne Anstrengung kein Wohlstand und ohne Leistung keine Sicherheit.“

2. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen ein? Wie beurteilen Sie die Geschäftsaussichten und wie groß sind die Probleme?

„Die Lage der sächsischen M+E-Industrie ist äußerst angespannt. Der Auftragseingang sinkt bereits das zweite Jahr in Folge und der Umsatz ist ebenfalls rückläufig. Die stärksten Rückgänge verzeichnet momentan die Elektroindustrie. Die (energieintensive) Metallindustrie befindet sich schon seit rund sechs Jahren in einem stetigen Abbauprozess infolge hoher Energiekosten und dem politisch forcierten Strukturwandel in der Automobilindustrie.

Wie eine kürzlich durchgeführte Umfrage unter unseren Mitgliedsfirmen zeigt, wollen gut zwei Drittel der Firmen ihre Investitionen reduzieren und ein Drittel Personal abbauen, davon wiederum ein Viertel sogar in erheblichem Umfang. Die fehlende Planbarkeit aufgrund einer kopflosen Wirtschaftspolitik belasten die Firmen demnach ähnlich stark wie die Bürokratie sowie die hohen Arbeits- und Energiekosten.

Die Aussichten sind entsprechend äußerst trübe. Die Stimmung ist tief im negativen Bereich, wie der ifo-Geschäftsklimaindex für die sächsische M+E-Industrie zeigt.“

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