Konjunkturreport Nr. 02/2026: Hoffnung auf Ruhe im Nahen Osten dürfte Konjunktur stabilisieren – strukturelle Probleme bleiben jedoch bestehen

Gesamtwirtschaftliche Lage

Das Jahr 2025 startete mit einer abermaligen Steigerung der weltweiten Unsicherheit, ausgelöst von den US-Interventionen in Venezuela und Iran, wobei insbesondere letztere zu einer Ölversorgungskrise und einer Preisexplosion infolge der Schließung der Straße von Hormus durch den Iran führte. Die kürzlich zwischen den USA und dem Iran ausgehandelte Vereinbarung hat nun jedoch das Potenzial für eine Entspannung. Zumindest scheinen die Akteure am Ölmarkt genau darauf zu vertrauen, wie das deutlich gesunkene Preisniveau anzeigt, das nicht mehr weit vom Vor-Kriegs-Niveau entfernt ist. Gleichwohl bleibt die Lage fragil, da sich an den zugrundlegenden Ursachen wenig geändert hat und die US-Regierung unter Trump hochgradig erratisch agiert, was sich an der Vielzahl der bereits verkündeten und dann doch nicht realisierten Friedens- bzw. Waffenstillstandsabkommen zeigt.

Die deutsche Wirtschaft konnte im 1. Quartal ein reales Wachstum von 0,3% gegenüber dem Vorjahresquartal verzeichnen. Was zunächst erfreulich klingt, wird jedoch dadurch relativiert, dass dieser Zuwachs in erster Linie auf einem merklichen Anstieg des Staatskonsums basierte, der so Rückgänge im Bereich Bauten und des Außenhandels kompensierte. Die Investitionen kommen nach wie vor kaum in Schwung und trugen nur 0,2 Prozentpunkte zur Veränderung des Bruttoinlandsprodukts bei. Die Zahl der Erwerbstätigen setzte ihre Schrumpfung fort.

M+E-Industrie Sachsen

Die M+E-Industrie Sachsen kam auch in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 nicht aus ihrer Schwächephase heraus. Alle maßgeblichen Konjunkturindikatoren entwickelten sich negativ und deutlich schlechter als bundesweit. Besonders prononciert war dies beim preisbereinigten Auftragseingang (‑5% vs. +4% Bund), Auslandsumsatz (-3% vs. +2%) und der Beschäftigung (-4,2% vs. -2,4%). Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Automobilindustrie derzeit eine ausgeprägte Schwächephase erlebt und diese Branche gleichzeitig in Sachsen einen besonders großen Anteil hat. So entfallen mehr als die Hälfte aller Beschäftigungsverluste im April gegenüber dem Vorjahresmonat auf diese (rd. 4.000 von 7.600). Vergleichsweise am besten ist die Lage derzeit in der Elektroindustrie, wenngleich auch hier weiter Personal ab- statt aufgebaut wird. Die vorzeitige Eröffnung der neuen Infineon-Chipfabrik in Dresden zum Ende des 2. Quartals dürfte jedoch neue Impulse geben. Die Metallindustrie leidet vor allem unter den schlechten Standortbedingungen für energieintensive Industrien in Deutschland und der Maschinenbau unter den internationalen Handelskonflikten, da er – wie auch die Automobilindustrie – in besonders starkem Maße auf den Export ausgerichtet ist.

Der Blick auf finanzwirtschaftliche Kennzahlen ergibt noch ein relativ stabiles Bild: Die derzeitige Ertragslage sowie die Tendenz bewegen sich im Saldo auf neutralem Niveau. Bei der Überfälligkeit von Rechnungen liegt die sächsische M+E-Industrie im Bundesländervergleich wie auch im innersächsischen Branchenvergleich mit durchschnittlich sechs Tagen jeweils im Mittelfeld. Bei den durchschnittlichen Zahlungszielen sowie der Außenstandsdauer von Rechnungen von Lieferanten liegt die M+E-Industrie Sachsen im Spitzenfeld der Branchen. Dies deutet darauf hin, dass die M+E-Industrie eine gesuchte Kundenbranche ist und aus ihrer Sicht entsprechend günstige Zahlungsziele vereinbaren kann. Die Umsatzrentabilität ist vor allem in der Metallindustrie unter Druck. Die Eigenkapitalquoten sind dagegen in verschiedenen sächsischen Branchen gestiegen. Obwohl dies zunächst positiv erscheint, ist die naheliegendere (negative) Interpretation jedoch, dass dies Ausdruck der seit Jahren herrschenden Investitionszurückhaltung ist, die wiederum Ergebnis der erheblichen Unsicherheit ist, mit der vor allem das Produzierende Gewerbe in Deutschland konfrontiert ist.

Die Stimmung der M+E Sachsen ist erstmals seit zwei Jahren wieder knapp im positiven Bereich. Die niedrigen Erwartungswerte lassen jedoch auch nicht auf eine kräftige Aufhellung der wirtschaftlichen Lage in den nächsten Monaten hoffen, sondern allenfalls auf einen zaghaften Aufschwung bzw. keine weitere Verschlechterung. Die Kapazitätsauslastung hat sich gegenüber dem Vorquartal erholt, bleibt mit 80% jedoch weiterhin deutlich zu niedrig, um die Beschäftigung konstant zu halten. Hoffnung geben die Produktionspläne, die das erste mal seit gut drei Jahren kurzzeitig wieder deutlich im positiven Bereich lagen, d.h. eine Mehrzahl der befragten sächsischen M+E plante in den kommenden Monaten mit einer Ausweitung. Für die Beschäftigtenzahl dürfte dies jedoch weiterhin keine Trendwende bedeuten, da die Pläne hier immer noch sehr deutlich im negativen Bereich liegen.

Ausblick

Sofern die Lage im Nahen Osten infolge des US-Iran-Abkommens mittelfristig ruhig bleiben sollte, besteht die Hoffnung, dass der Energiepreisschock nur temporärer Natur war, was die Weltwirtschaft stabilisieren würde. Damit wären auch die Auswirkungen auf die Inflation und die notwendigen Reaktionen der Geldpolitik überschaubar, wenngleich sich die EZB in ihrer Juni-Sitzung genötigt sah, den Leitzins leicht anzuheben, um der nach wie vor zu hohen Teuerung zu begegnen. Dies verteuert Unternehmens- und Konsumentenkredite und belastet somit Investitionen und Konsum.

Momentan zeichnet sich eine leichte Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage ab, die jedoch rein konjunktureller Natur ist und damit fragil bleibt und nur für geringe Zuwächse reicht. Denn an den strukturellen Problemen Deutschlands hat sich nach wie vor nichts geändert. Zudem genügt die aktuelle Kapazitätsauslastung nach wie vor nicht, um das erhebliche Tempo beim Beschäftigungsabbau in der Industrie zu drosseln. So wird diese Stabilisierung vor allem vom Dienstleistungssektor und einem verstärkten (Staats­)Konsum getragen.

Ein negativer Nebeneffekt der wirtschaftspolitischen Bewegungslosigkeit Deutschlands ist der Umstand, dass dadurch strategische Aspekte immer stärker aus dem Fokus geraten. So haben sich die USA beim Thema Künstliche Intelligenz auf allen Ebenen einen enormen Vorsprung erarbeitet, sei es bei den Modellen, der Software oder dem Design der leistungsfähigsten Chips. Beispielsweise ist fast die Hälfte der Rechenkapazitäten der 500 leistungsfähigsten Computer in den Vereinigten Staaten ansässig, während auf Europa nur ein Sechstel entfällt. Dies stellt nicht nur eine wirtschaftliche, sondern ab einem bestimmten Zeitpunkt auch eine sicherheits- und geopolitische Bedrohung dar. Vor diesem Hintergrund ist die jüngste Entscheidung der US-Regierung, Ausländern die Verwendung der neuesten KI-Modelle zu untersagen, als ein kritischer Wendepunkt zu betrachten, in dessen Folge sich die Entwicklung in diesem Technologiefeld noch stärker dorthin verlagern dürfte.

Wenn Sie Rückfragen zur Konjunktur haben oder weitere Vergleichsdaten benötigen, wenden Sie sich gerne an Dr. Cornelius Plaul (Tel. 0351 25593 604, E-Mail: cornelius.plaul@hsw-mail.de).

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