Konjunkturreport Nr. 02/2025: Talsohle scheint durchschritten – Möglicher Aufschwung bleibt aber fragil und gefährdet durch weltpolitische Verwerfungen

Gesamtwirtschaftliche Lage

Zuletzt mehrten sich die Zeichen, dass zumindest auf gesamtwirtschaftlicher Ebene die konjunkturelle Talsohle durchschritten ist. In der Eurozone stieg die Industrieproduktion im März erstmals seit zwei Jahren wieder gegenüber dem Vorjahresmonat und der Einkaufsmanagerindex erreichte zumindest fast wieder sein neutrales Niveau, bei dem sich Umfrageteilnehmer, die eine steigende und diejenigen, die eine sinkende Nachfrage erwarten, die Waage halten.

In Deutschland stieg das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2025 überraschend stark mit 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal an. Dieser Anstieg war allerdings primär von den Dienstleistungsbranchen sowie vom Baugewerbe getrieben, das nach dem erheblichen Einbruch infolge des Ausbruchs des Ukraine-Kriegs wieder steigende Auftragseingänge, Umsätze und Baugenehmigungen verzeichnen konnte, sowohl nominal als auch preisbereinigt. Somit deutet einiges darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft die Talsohle durchschritten hat. Unterstützend dafür wirkt auch der Umstand, dass die Europäische Zentralbank den Leitzins in den vergangenen Monaten bis auf zwei Prozent senkte, was sie vor dem Hintergrund gesunkener Energiepreise tat und was die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ankurbeln sollte. Nicht zuletzt lag der Anstieg der Wirtschaftsleistung zum Jahresbeginn auch an stark steigenden Exporten in die USA.

Damit ist zugleich ein Risikofaktor benannt. Denn die umfassenden Zoll-Pläne des US-Präsidenten Trump, die er zum „Liberation Day“ am 2. April 2025 ankündigte, sorgten unmittelbar für heftige Verwerfungen an den Finanzmärkten: Aktienindizes brachen ein; der Ölpreis sackte ab, da die Marktteilnehmer eine Rezession oder zumindest eine erhebliche Verlangsamung der Weltwirtschaft erwarteten; der US-Dollar wertete stark ab und die Zinsen für US-Staatsanleihen stiegen an, was auf größere Verkäufe der Wertpapiere durch die wichtigsten Gläubiger (Japan und China) und die Rückführung des Kapitals zurückgeführt wurde, womit diese Akteure zugleich ihre ökonomischen Machtoptionen in einem möglichen Handelskrieg präsentierten.

Der Anstieg der deutschen Exporte in die USA, der sich auch in den sächsischen Zahlen sehr deutlich zeigt (plus 20 Prozent zwischen Januar und April 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum), wird vor diesem Hintergrund als eine Vorsichtsmaßnahme interpretiert, wonach amerikanische Händler aus Furcht vor höheren Preisen viele Importwaren noch hastig vor dem möglichen Inkrafttreten von Zöllen einführten. Es könnte sich somit um einen Strohfeuereffekt für den deutschen Außenhandel handeln.

Der Israel-Iran-Konflikt hat Mitte Juni zu einem sprunghaften Anstieg der Ölpreise geführt, wodurch die durch die Zoll-Pläne ausgelösten Rückgänge wieder vollständig rückgängig gemacht wurden und die globale Unsicherheit erheblich anstieg. Ein kräftiger Energiepreisanstieg bedroht jedoch die fragile wirtschaftliche Erholung Deutschlands.

M+E-Industrie Sachsen

Die sächsische M+E-Industrie kann bislang noch keine Trendwende verzeichnen und entsprechend bewegen sich alle relevanten Konjunkturindikatoren im negativen Bereich. Auftragseingang und Umsatz sanken in den ersten vier Monaten des Jahres nominal um 3,1 bzw. 0,6 Prozent. Beim Umsatz ist die Entwicklung dabei spiegelbildlich zu jener der Post-Corona-Jahre 2021/22, denn nun sind es die Metallindustrie und der Maschinenbau, die Zuwächse verzeichnen können, während die Elektroindustrie und der Fahrzeugbau teils deutliche Rückgänge hinnehmen mussten.

Die Kapazitätsauslastung liegt nach wie vor erheblich unter dem langjährigen Mittel (etwa 85 Prozent) und unterstreicht so die kritische Lage der sächsischen M+E-Industrie. Die Firmen reagieren entsprechend mit einer Kürzung des Arbeitsvolumens und der Beschäftigung. Mit weniger als 183.000 Mitarbeitern hat die Branche allein seit September 2023 rund 7.700 Arbeitsplätze abgebaut und zugleich ihren niedrigsten Stand seit gut acht Jahren erreicht. Gleichzeitig ist die Abwärtsdynamik noch immer erheblich. Insbesondere die lange Zeit erfolgsverwöhnte Elektroindustrie baut rasant Personal ab (minus fünf Prozent im April 2025 gegenüber dem Vorjahresmonat). Lediglich im Maschinenbau erlaubt es die wirtschaftliche Lage derzeit, den Beschäftigtenstand zumindest stabil zu halten. Diese Entwicklung ist auch aus volkswirtschaftlicher Sicht bedenklich. Denn Industriearbeitsplätze gehen in der Regel mit einer hohen Wertschöpfung und folglich auch hohen Löhnen einher, die wiederum die Basis für Nachfrage in zahlreichen weiteren (Dienstleistungs-)Branchen darstellen.

Die schlechte wirtschaftliche Lage hat unter anderem dazu beigetragen, dass es aktuell keine Lücke mehr bei MINT-Fachkräften in Sachsen gibt. Angesichts des demografischen Wandels, der dazu führt, dass allein in den nächsten zehn Jahren im Saldo 230.000 Arbeitskräfte in Sachsen verloren gehen werden (rund ein Neuntel aller Erwerbstätigen) ist dies ein besonders fatales Signal, denn eigentlich bräuchten die Firmen dringend Fachkräfte, um ihre Produktionsfähigkeit in den nächsten Jahren aufrechterhalten zu können. Dass die Arbeitskräftenachfrage dennoch derzeit so schwach ist, unterstreicht die angespannte Situation der Industrieunternehmen. Diese wurde maßgeblich durch die deutsche Wirtschaftspolitik verursacht, die zu schlechten Rahmenbedingungen für die Firmen geführt hat (viel Bürokratie, ineffiziente Verwaltungsprozesse, hohe Arbeitskostenbelastung, hohe Energiepreise).

Ausblick

Für das aktuelle Jahr wird mit einer weiteren wirtschaftlichen Stagnation gerechnet, bevor es im nächsten das erste nennenswerte Wachstum seit 2022 geben dürfte. Gleichwohl fällt dieses mit einer erwarteten Wachstumsrate zwischen ein und anderthalb Prozent bescheiden aus und dürfte primär vom Baugewerbe und dem Dienstleistungssektor getragen werden, während die Industrie weiterhin nicht über eine Stagnation leicht oberhalb der Nulllinie hinauskommen dürfte.

Durch die zahlreichen internationalen Krisenherde gibt es dabei viele Abwärtsrisiken, die die wirtschaftliche Entwicklung bremsen könnten. Insbesondere das Risiko wieder steigender Energiepreise und eine Abschottung des US-Marktes stellen für sächsische M+E-Firmen eine Gefahr dar, da der bislang wichtigste Auslandsmarkt, China, immer weniger Produkte aus Sachsen nachfragt.

Wenn Sie Rückfragen zur Konjunktur haben oder weitere Vergleichsdaten benötigen, wenden Sie sich gerne an Dr. Cornelius Plaul (Tel. 0351 25593 604, E-Mail: cornelius.plaul@hsw-mail.de).

Anlagen:

Mitgliederlogin