Gesamtwirtschaftliche Lage
Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Jahr abermals geschrumpft. Die Wirtschaftsleistung lag um 0,2 bis 0,3% unter dem Vorjahreswert. Während der private und vor allem der staatliche Konsum das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um zusammen 0,9%-Punkte nach oben hievten, hatte die Entwicklung von Ausrüstungsinvestitionen, Bauten und Außenbeitrag (Exporte und Importe) einen negativen Einfluss. Die Wirtschaftsleistung liegt nach wie vor nur auf dem Niveau des Jahres 2019 und bezogen auf die Bevölkerungszahl sogar darunter, da sich diese inzwischen auf rund 2 Mio. mehr Einwohner verteilt. Damit hat sich die Bundesrepublik wirtschaftlich weiter von der Entwicklung im Rest der Welt entfernt, wo alle bedeutenden Regionen schneller wachsen.
Die in der vergangenen Woche von Bundestag und -rat beschlossene Sonderverschuldung für Verteidigung und Infrastruktur im Umfang von jeweils mehreren hundert Milliarden Euro hat bereits für Verschiebungen an den Finanzmärkten gesorgt. So ist die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe innerhalb nur einer Woche um rund 0,3%-Punkte auf den höchsten Stand seit einem Jahr gestiegen. Dies wird mittelfristig den Inflationsdruck erhöhen und die Finanzierungskosten erhöhen, worunter nicht zuletzt der private Wohnungsbau leiden dürfte. Dies ist in der Ökonomie als sogenannter „Crowding-out-Effekt“ bekannt, wonach staatliche Mehrausgaben private Investitionen verdrängen. Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar als Reaktion auf die höheren Renditen stark aufgewertet und die Aktienmärkte verzeichneten kräftige Kurssteigerungen infolge der verbesserten Gewinnaussichten der notierten Unternehmen.
Die dahinter liegende Hoffnung ist, dass die in Aussicht gestellte höhere Binnennachfrage dabei helfen könnte, das schwache Außenhandelsgeschäft zu kompensieren. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf drohende Handelskonflikte mit den Vereinigten Staaten und eine fortschreitende Blockbildung zwischen dem US-Markt auf der einen und dem chinesischen Markt auf der anderen Seite, die das deutsche Exportmodell gefährden. Beim sächsischen Export zeigten sich im vergangenen Jahr deutliche Verschiebungen zwischen China und den USA: Zwar verteidigte die Volksrepublik noch ihren seit 2009 bestehenden ersten Rang, liegt mit einem Exportanteil von 12% jedoch nur noch knapp vor den USA (10%). Hinsichtlich der Struktur der Warengruppen sind sich die beiden Märkte, mit Ausnahme von Elektronikprodukten, die mit einem Ausfuhranteil von 16% bei China eine wichtige Rolle spielen (USA: 9%), relativ ähnlich.
M+E-Industrie Sachsen
Die sächsische M+E-Industrie blickt auf ein schwaches Jahr 2024 zurück. Der Auftragseingang sank nominal um 6% und preisbereinigt sogar um über 8%, der Umsatz um 5%. Lediglich der Auslandsumsatz war ein kleiner Lichtblick mit einem geringen Plus. Die Kapazitätsauslastung der Firmen betrug am aktuellen Rand nur noch 78% und lag damit auf dem gleichen Niveau wie noch im von der Corona-Krise geprägten Q3/2020. Die aktuelle Lage ist daher vergleichbar mit der Situation während der Finanz- und der Coronakrise. Allerdings erfolgte der Rückgang diesmal nicht in Form eines abrupten Absturzes, sondern eines allmählichen Niedergangs. Angesichts dieser schwierigen Lage haben die M+E-Firmen kräftig Personal abgebaut und greift die Industrie wieder verstärkt auf das Instrument der Kurzarbeit zurück.
Die Elektroindustrie verzeichnet als das einstige Zugpferd der vergangenen Jahre mittlerweile die stärksten Rückgänge bei Auftragseingang und Umsatz. Die energieintensive Metallindustrie setzte ihren schon über sechs Jahre andauernden, stetigen Abwärtstrend fort. Der Maschinenbau hielt sein Beschäftigungsniveau trotz ebenfalls sehr schwacher Entwicklung der Neuaufträge in etwa konstant.
Beim Fahrzeugbau ist das Bild gemischt: Die Automobilindustrie konnte ihre kräftigen Rückgänge zum Jahresbeginn im weiteren Verlauf reduzieren und schloss das Kalenderjahr nur noch mit geringen Umsatzverlusten ab. Dagegen verzeichnete der sonstige Fahrzeugbau (Schienenfahrzeuge, Flugzeuge) Zuwächse, die sich auch in einer höheren Beschäftigung im Jahresverlauf niederschlugen, womit die Branche eine positive Ausnahme innerhalb der M+E-Industrie Sachsens war. Allerdings gab es auch hier zum einen zum Jahresbeginn 2025 wieder einen Dämpfer und zum anderen ist das Vor-Corona-Niveau in der Branche noch nicht wieder erreicht, da das Geschäft mit öffentlichen Verkehrsmitteln seinerzeit als besonders gefährdet galt.
Die Beschäftigung weist weiterhin eine starke Abwärtsdynamik auf. Im Dezember hatte die sächsische M+E-Industrie kalender- und saisonberingt rund 184.800 und damit 1,9% weniger Mitarbeiter als im Vorjahresmonat. Damit sind praktisch alle Zuwächse, die in den Boomjahren 2021/22 entstanden waren, wieder aufgezehrt. Die negativen Werte bei den Produktions- und Beschäftigungsplänen lassen auf weiteren Personalabbau schließen. Die Stimmung befindet sich deutlich im negativen Bereich.
Ausblick
Für die weitere wirtschaftliche Entwicklung wird viel vom Ausgang der Koalitionsverhandlungen abhängen. Die bereits avisierten Sondervermögen beinhalten zwar das Potenzial, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage spürbar anzukurbeln, wovon auch die M+E-Industrie profitieren dürfte. Doch entscheidend ist, dass dies mit einer gleichzeitigen Bewältigung der anderen strukturellen Probleme des Landes einhergeht. Umschichtungen und Einsparungen in den öffentlichen Haushalten sind weiterhin unabdingbar, jedoch nicht erkennbar in den bisherigen Verhandlungsergebnissen. Dabei könnte allein ein konsequenter Bürokratieabbau laut einer ifo-Studie zu einem zusätzlichen BIP-Wachstum von drei bis vier Prozent führen. Eine spürbare Reduktion der Steuer- und Abgabenlast bei den Einkommen würde nicht nur (Mehr-)Arbeit wieder attraktiver machen, sondern auch bei der Gewinnung ausländischer Fachkräfte helfen, für die Deutschland angesichts der gegenwärtigen Abgabenquote trotz im internationalen Vergleich sehr hoher Bruttoverdienste nur mäßig attraktiv ist. Im schlimmsten Fall – wenn die strukturellen Probleme nicht angegangen werden – drohen die Sondervermögen lediglich ein kurzfristiges „Strohfeuer“ zu entfachen und können der gesamtwirtschaftlichen Produktivität sogar noch schaden, wenn staatlichen Investitionen private verdrängen.
Weitere Risiken ergeben sich zum einen aus der Unberechenbarkeit der US-Politik, die jederzeit zu Behinderungen beim Außenhandel führen kann, wie das Vorgehen gegen Länder wie Mexiko oder Kanada bereits veranschaulicht hat. Dies wäre gerade angesichts eines schwachen China-Geschäfts ein schwerer Schlag für die fragile deutsche Konjunktur. Zum anderen hätte die massive Staatsverschuldung, die für Deutschland nun in Aussicht steht, Rückwirkungen auf die übrigen europäischen Staaten. Gerade hochverschuldete Länder wie Italien, Frankreich und Spanien könnten durch das insgesamt höhere Zinsniveau in Bedrängnis kommen. Zudem würden die Ausgabesteigerungen die Inflation anheizen, die die Geldpolitik nach wie vor noch nicht wieder vollständig eingefangen hat.
Wenn Sie Rückfragen zur Konjunktur haben oder weitere Vergleichsdaten benötigen, wenden Sie sich gerne an Dr. Cornelius Plaul (Tel. 0351 25593 604, E-Mail: cornelius.plaul@hsw-mail.de).
Ausblick