Konjunkturreport Nr. 04/2025: Die strukturellen Problemen werden nicht angegangen – und die sächsische M+E-Industrie setzt ihren Abwärtstrend fort

Gesamtwirtschaftliche Lage

An den schon in den vorangegangenen Reporten benannten Strukturproblemen hat sich bislang nichts geändert. Folglich setzte die deutsche Wirtschaft ihren Stagnationskurs auch im 3. Quartal des Jahres fort. Insgesamt wird Deutschland das Jahr 2025 damit voraussichtlich mit einer Wachstumsrate knapp über der Nulllinie abschließen und damit weiter gegenüber anderen Wirtschaftsräumen an Vorsprung verlieren bzw. den Rückstand vergrößern. Summiert man die Wachstumsraten der Jahre seit 2020 auf, erreicht Deutschland nicht einmal einen halben Prozentpunkt an Zuwachs, während die hochgradig dynamischen Volkswirtschaften Indien und China um jeweils gut ein Drittel zulegen konnten. Auch bereits hoch entwickelte Volkswirtschaften wie die USA, das aufstrebende Osteuropa und selbst die eher undynamische Eurozone übertreffen die Bundesrepublik beim Wirtschaftswachstum deutlich.

Neben den hausgemachten Problemen aus sehr hohen Standortkosten (v.a. Arbeit, Energie, Steuern und Abgaben) und ausufernder Bürokratie kommen nun auch weltwirtschaftliche Verwerfungen hinzu, die den Außenhandel dämpfen. So konnten Deutschland und Sachsen in der Vergangenheit schwache binnenwirtschaftliche Lagen oft mit starkem Export kompensieren.

Doch diese Möglichkeit gerät aktuell aus mehreren Gründen parallel in Bedrängnis: Zum einen sind die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten spürbar gesunken, nachdem US-Präsident Trump die Zölle deutlich erhöht hat, was nach einem kurzen Strohfeuereffekt im Frühjahr zu einer Dämpfung der Importe seit etwa Mitte des Jahres geführt hat. Zum anderen ist auf dem bislang größten Auslandsmarkt Sachsens, China, ein Einbruch der Einfuhren zu verzeichnen, der beinahe boykottartige Züge trägt. So ist der Export gegenüber dem Spitzenniveau des Jahres 2022 (rund 700 Mio. EUR pro Monat), bis zum aktuellen Rand um knapp die Hälfte eingebrochen. Deutsche Produkte, vor allem (E­­‑)Autos, sind in China weniger gefragt, was den Sachsen besonders belastet. Hinzu kommt, dass China seine Warenströme infolge der US-Zollpolitik stärker nach Europa umlenkt, was die Konkurrenzsituation hierzulande erhöht.

Durch die von US-Präsident Trump ausgelösten Handelsstreitigkeiten ist das wechselseitige Drohpotenzial bestimmter Waren wieder in den Fokus gerückt. Europa verfügt hier – abgesehen von hochspezialisierten Gütern wie bspw. hochmodernen, niederländischen Maschinen zur Chipfertigung oder finnische Eisbrecher – nur in sehr begrenztem Umfang über strategisch-relevante Produkte, die bei Verhandlungen als Druckmittel eingebracht werden könnten. Besonders deutlich zeigt sich dies im Falle von Seltenen Erden, die zahlreiche Stoffe enthalten, die zur Fertigung von Hightechprodukten wie Smartphones und Computerchips notwendig sind und bei denen China bei der aktuellen Produktion eine führende Rolle einnimmt. Auch bei den globalen Reserven spielt Europa keine bedeutende Rolle, sondern neben China vor allem Brasilien, Australien, Indien und diverse Staaten Südostasiens und Afrikas. Entsprechend muss Europa hier strategisch agieren, um die Versorgung mit den entsprechenden Rohstoffen nicht zu gefährden und eigene Quellen konsequent erschließen.

Neben Zöllen (USA) und verändertem Kaufverhalten (China) belasten auch die Wechselkurse den Außenhandel. Denn der US-Dollar erlebte seit der Ankündigung der Zollpläne am sogenannten „Liberation Day“ Anfang April einen erheblichen Wertverlust. Aktuell rangiert er rund 15% unter dem Vorjahresniveau, was im Umkehrschluss deutsche Waren auf Dollarbasis empfindlich verteuert. Die Geldpolitik müsste jedoch angesichts von Inflationsraten, die noch immer deutlich über 2% und damit oberhalb des EZB-Zielwerts für Preisstabilität liegen, weiterhin eher restriktiv ausgerichtet bleiben, was jedoch den Außenwert des Euro weiter stärken würde.

M+E-Industrie Sachsen

Die M+E-Industrie steht im Fokus der aktuellen wirtschaftlichen Probleme, die vor allem das Produzierende Gewerbe und weniger den Dienstleistungssektor betreffen. Umsatz und Auslandsumsatz sind in Sachsen nominal gesunken, während sie bundesweit zumindest leicht anstiegen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt der Auftragseingang, der zumindest minimal zulegten konnte. Doch nach wie vor reicht die aktuelle Auslastung, die nur bei 77% liegt, bei weitem nicht aus, um die Beschäftigung stabil zu halten. Folglich reduzierte die sächsische M+E-Industrie ihre Beschäftigtenzahl in den letzten 24 Monaten um 8.000 und bewegt sich mit aktuell rund 181.000 nur noch auf dem Stand von Ende 2016. Dies führte auch zu einer weiteren Reduktion des Arbeitsvolumens wie auch der Entgeltsumme.

Wenngleich sich derzeit keine der M+E-Branchen in einer günstigen wirtschaftlichen Position befindet, ist die Lage in der Elektroindustrie und im Fahrzeugbau besonders angespannt. Erstere leidet neben den allgemeinen Problemen auch unter Preisrückgängen für ihre Produkte, insbesondere bei Halbleitern, letzterer baut momentan besonders stark Personal ab. Ein gemischtes Bild gibt es beim Maschinenbau, wo die Beschäftigung noch am stabilsten ist, die Neuaufträge jedoch rückläufig und bei der Metallindustrie, wo sich der seit 2019 (!) anhaltende Personalabbau  noch immer fortsetzt, die aber zumindest als einzige M+E-Branche in Sachsen kleine Zuwächse bei Auftragseingang und Umsatz verzeichnen kann.

Die Stimmung hatte sich aller Probleme zum Trotz in den letzten Monaten vorübergehend etwas aufgehellt und bewegt sich am aktuellen Rand nun aber wieder klar im negativen Bereich. Insbesondere die Erwartungen bleiben fragil und deuten nicht auf eine baldige Verbesserung des Geschäftsklimas. Die Produktionspläne sind weiterhin leicht abwärtsgerichtet, während die Beschäftigungspläne regelrecht eingebrochen sind und den tiefsten, jemals gemessenen Wert erreichen. Ohne eine Verbesserung der Rahmenbedingungen droht weiterhin das im Konjunkturbericht für das 1. Quartal beschriebene Negativszenario, in dem die M+E-Beschäftigung in Sachsen infolge der niedrigen Industrieproduktion um weitere rund 30.000 Arbeitsplätze sinkt.

Ausblick

Handfeste Indikatoren, die auf ein baldiges Ende der wirtschaftlichen Krise hindeuten, gibt es bislang nicht. Vonseiten der Bundesregierung sind bislang keine Schritte erkennbar, die auf eine signifikante Verbesserung der wirtschaftshemmenden Rahmenbedingungen in Deutschland hindeuten würden, sondern Probleme eher noch verschärfen (Rentenpaket). Ähnliches gilt auf Landesebene, wo kaum Diskussionen über notwendige Einsparungen (hier insbesondere beim Landespersonal) stattfinden, sondern über weitere Freistellungstatbestände (Bildungsurlaub). Entsprechend sehen die Prognosen auch für das kommende Jahr trotz Schulden auf Rekordniveau lediglich ein mageres Wirtschaftswachstum von rund 1%, womit Deutschland international weiterhin den wirtschaftlichen Anschluss verliert.

Global findet hohes Wirtschaftswachstum vor allem in Süd- und Ostasien und Afrika statt. Die USA wachsen mit einer erwarteten Rate von rund 2% immer noch solide. In Europa sind es vor allem die mittel- und osteuropäischen Staaten, die noch größere Zuwächse erwarten können, während es westlicher, von Deutschland über Frankreich und Österreich bis Italien ein regelrechtes „Wachstumsloch“ mit Volkswirtschaften gibt, die nicht einmal 1% erreichen.

Ein Lichtblick war die jüngste Entscheidung des EU-Parlaments, das sich in einer Abstimmung im Rahmen des „Omnibus-Verfahrens“ für eine erhebliche Abschwächung des europäischen Lieferkettengesetzes aussprach. Denn dieses hätte in seiner bisherigen Form selbst die Anforderungen des deutschen Lieferkettengesetzes noch übertroffen und die Unternehmen mit weiterer Bürokratie überzogen, wenngleich der Nutzen all dieser Regelungen fragwürdig bleibt.

Wenn Sie Rückfragen zur Konjunktur haben oder weitere Vergleichsdaten benötigen, wenden Sie sich gerne an Dr. Cornelius Plaul (Tel. 0351 25593 604, E-Mail: cornelius.plaul@hsw-mail.de).

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