Gesamtwirtschaftliche Lage
Noch bis Anfang des Jahres sah es so aus, als könnte Deutschland erstmals seit Jahren der Stagnation bzw. der Schrumpfung wieder ein Wirtschaftswachstum für 2026 verzeichnen, wenngleich die Prognosen mit nur rund einem Prozent bereits äußerst gering waren. Mit dem Ausbruch des Irankriegs und der Sperrung der wichtigen Meerenge von Hormus steht nun auch dieses zur Disposition. Das ifo-Institut rechnet im Falle einer baldigen Beendigung des Konflikts mit einer Reduktion des Wachstums um 0,2%-Punkte (auf dann noch +0,8%) und im Falle einer Eskalation, in deren Folge der Ölpreis für längere Zeit bei 100 USD je Barrel und jener für Erdgas bei 75 EUR je MWh läge, mit einer um 0,4%-Punkte verringerten Steigerung (auf dann noch +0,6%).
Obwohl Deutschland nicht unmittelbar von Öllieferungen aus dem Persischen Golf betroffen ist und nur geringe Mengen LNG aus Katar bezieht, leidet es doch unter dem global verknappten Angebot von Öl, Gas sowie daraus gewonnener Produkte (u.a. Düngemittel) und den damit einhergehenden Preissteigerungen. Denn ausweislich der deutschen Energiebilanz geht nach wie vor mehr als ein Drittel des in Deutschland verursachten Primärenergieverbrauchs auf Mineralöl und ein Viertel auf Erdgas zurück. In Sachsen ruht die Energieversorgung dank der nach wie vor aktiven Braunkohleförderung (deckt rund ein Drittel des Primärenergieverbrauchs) auf mehr Säulen als bundesweit. Gleichwohl würde auch hierzulande eine längerfristige kräftige Preissteigerung bei Öl und Gas die Kosten der Unternehmen nach oben treiben und die Konsummöglichkeiten für Verbraucher einschränken.
Die deutsche Wirtschaft konnte das vergangene Jahr nur dank binnenwirtschaftlicher Impulse mit einem geringen Plus von 0,2% (kalenderbereinigt +0,3%) abschließen. Grund war ein durch die massive Verschuldung erhöhter Staatskonsum sowie der von anhaltend hohen Realeinkommenszuwächsen in den letzten Jahren gestärkte Privatkonsum. Die Investitionen blieben dagegen kaum verändert und der Außenbeitrag drückte die Wirtschaftsleistung sogar. Dies war einerseits auf höhere Ausgaben für Importe sowie einen geringeren Export zurückzuführen.
Auch Sachsen musste einen leichten Rückgang bei den Ausfuhren verkraften. Insgesamt wurden rund 540 Mio. EUR (-1%) weniger im Ausland erlöst als im Vorjahr. Besonders drastisch war der Rückgang – wie schon im Vorjahr – im lange Zeit wichtigsten sächsischen Exportland China. Dorthin brachen die Ausfuhren um 26% ein, nachdem sie bereits in den beiden Vorjahren um insgesamt 33% gesunken waren. Damit hat China erstmals seit der Finanzkrise 2009 den Rang des wichtigsten sächsischen Exportlandes wieder an die USA abgegeben. Dorthin waren die Ausfuhren bis zum Frühjahr des Jahres 2025 noch kräftig angestiegen, sind seither aber ebenfalls rückläufig, was auf die von US-Präsident verhängten Zölle zurückzuführen ist. Für das aktuelle Jahr sehen die Exportaussichten daher eher schlecht aus, da auf dem chinesischen Markt nicht mit einer größeren Kaufbereitschaft für Sachsens wichtigstes Exportgut, (E-)Autos, zu rechnen ist und die USA als Kompensator nicht in Frage kommen dürften. Viel hängt daher von der Nachfrage der europäischen und ostasiatischen Handelspartner ab.
M+E-Industrie Sachsen
Sachsens M+E-Industrie blickt auf ein schlechtes Wirtschaftsjahr 2025 zurück. Auftragseingang, Umsatz und Auslandsumsatz schrumpften abermals um jeweils rund 1% und konnten daher nicht an den positiven Bundestrend (AE: +5%, UM: +0,6%) anknüpfen. Die Rückgänge auf Beschäftigung und Arbeitsvolumen waren mit -2 bzw. -3% noch stärker ausgeprägt. Trotz der angespannten Wirtschaftslage sank die Entgeltsumme nur um 1%, was im Umkehrschluss weiter gestiegene stündliche Arbeitskosten bedeutete.
Mit einem Zuwachs sowohl bei Auftragseingang als auch Umsatz konnte sich die Metallindustrie als einzige M+E-Branche etwas positiv absetzen – jedoch ohne dass dies den Beschäftigungsrückgang hier gestoppt hätte. Zumal abzüglich von Preiseffekten real wenig von diesen Zuwächsen übrig bleiben dürfte. Der Fahrzeugbau verzeichnete Einbußen in beide Richtungen, während bei der Elektroindustrie und dem Maschinenbau ein gemischtes Bild vorlag. Bei der Elektroindustrie und im Fahrzeugbau zeigt sich derzeit eine deflationäre Entwicklung, d.h. es wird weniger je Stück erwirtschaftet.
Die derzeitige Kapazitätsauslastung bleibt mit 76% viel zu niedrig, um das Beschäftigungsniveau konstant zu halten. Folglich baute die sächsische M+E-Industrie seit ihrem letzten Höchststand (Sep 2023 mit rund 189.900) bis einschließlich Januar 2026 mehr als 12.000 Stellen ab und liegt damit so niedrig wie seit Mitte 2015 nicht mehr. Eine Verlangsamung dieser Entwicklung ist bislang nicht auszumachen. Folglich planen die Firmen in den kommenden Monaten mit weiterem Stellenabbau.
Diese Entwicklung macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Denn die seit 2016 zu beobachtende MINT-Fachkräftelücke in Sachsen ist seit Mitte 2025 vollständig verschwunden. Dass diese Entwicklung in Zeiten einer erheblichen demografischen Schieflage stattfindet, in der Unternehmen unter normalen Umständen versuchen würden, jeden Mitarbeiter zu halten, demonstriert den kritischen Zustand der sächsischen Industrie infolge der schlechten Rahmenbedingungen.
Ausblick
Der unerwartete Ausbruch des Irankriegs hat die Energiemärkte kräftig durcheinandergewirbelt und gefährdet somit den ohnehin fragilen Aufwärtstrend der deutschen Wirtschaft. Er wird die zu Jahresbeginn verringerte Inflation, die sich allmählich wieder dem EZB-Zielwert von 2% annäherte, wieder anfachen und den Spielraum für eine mögliche lockerere Geldpolitik und damit günstigere Finanzierungsbedingungen für Unternehmen mindestens verringern. Entscheidend ist, wie lange die aktuelle Situation anhält. Im Falle einer baldigen Beendigung des Konflikts und einer „Wiedereröffnung“ der Straße von Hormus dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen relativ gering bleiben. Im Falle einer längeren, d.h. viele Monate andauernden Auseinandersetzung dürfte die Wirtschaft deutliche Bremsspuren erfahren: Einerseits würden sich die Kosten der Unternehmen erhöhen, was höhere Produktpreise und entsprechend geringere Nachfrage zur Folge hätte. Andererseits könnte ein Wiedererstarken der Inflation zu Kaufzurückhaltung bei Verbrauchern führen und den Privatkonsum belasten, der die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr maßgeblich in den positiven Bereich gehievt hatte.
Ungeachtet dessen wartet die Wirtschaft weiterhin auf grundlegende Reformen von Seiten der Bundesregierung. Denn die hohen Steuer- und Sozialabgaben haben die Arbeitskosten Deutschlands ins internationale Spitzenfeld getrieben und lassen den Arbeitnehmern immer weniger Netto- von ihrem Bruttoverdienst übrig, was erhebliche Anreizprobleme mit sich bringt, wovon nicht zuletzt die extrem niedrigen Arbeitszeiten in Deutschland zeugen. Die erforderliche drastische Streichung bürokratischer Vorgaben ist bislang ebenfalls ausgeblieben und belastet die Firmen somit auch weiterhin. Insofern deutet auch für 2026 alles auf ein sehr schwaches Wirtschaftsjahr hin.
Wenn Sie Rückfragen zur Konjunktur haben oder weitere Vergleichsdaten benötigen, wenden Sie sich gerne an Dr. Cornelius Plaul (Tel. 0351 25593 604, E-Mail: cornelius.plaul@hsw-mail.de).
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