Gesamtwirtschaftliche Lage
Die deutsche Wirtschaft verharrt in ihrer seit Jahren anhaltenden „Wellblechkonjunktur“, in der auf ein Quartal mit leichtem Wirtschaftswachstum eines mit einem mindestens ebenso starken Rückgang folgt. So folgte auf einen Zuwachs im 1. Quartal 2025 in Höhe von 0,3% gegenüber dem Vorquartal im 2. Quartal ein gleich großer Rückgang. Dabei befindet sich die Wirtschaft sogar noch in einem leichten Abwärtstrend, denn gegenüber dem letzten Höchststand vom 4. Quartal 2022 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis zum aktuellen Rand preis- und saisonbereinigt um rund 12 Mrd. EUR gesunken.
Auch im längerfristigen Rückblick offenbart sich das Ausmaß der derzeitigen Krise. Denn in den 1990er-Jahren wuchs das BIP noch um durchschnittlich 0,4% je Quartal. In den 2000er-Jahren waren es – trotz Platzen der Dotcom-Blase zu Beginn und der Finanzkrise am Ende des Jahrzehnts – immerhin noch durchschnittlich 0,2% und in den 2010er-Jahren, als die Früchte der Hartz-Reformen in vollem Umfang geerntet wurden, sogar 0,5%. Doch seit 2020 ist im Durchschnitt gar kein Wachstum mehr messbar, womit Deutschland einen Sonderfall innerhalb der Gruppe der bedeutendsten Volkswirtschaften der Welt darstellt.
Die Wirtschaftsschwäche spiegelt sich auch zunehmend am Arbeitsmarkt wider, der angesichts der wirtschaftlichen Lähmung Erscheinungen zeigt, die in Zeiten des demografischen Wandels und des beginnenden Renteneintritts der „Babyboomer“ als überwunden geglaubt wurden. Im August 2025 wurden erstmals seit über elf Jahren wieder mehr als 3 Mio. Arbeitslose gemeldet – anders als damals jedoch nun im Kontext eines ansteigenden, nicht eines sinkenden Trends. Sachsen ist mit derzeit rund 150.000 Arbeitslosen (Quote: 7,0%) de facto wieder auf das Niveau des Jahres 2016 zurückgeworfen. Kurzarbeit wird derzeit in einem Maße in Anspruch genommen, das man – unter Ausklammerung der Extremwerte der Corona-Jahre – zuletzt im Frühjahr 2011 beobachten konnte.
Die hausgemachten Probleme Deutschlands werden noch verschärft in einem Umfeld, in dem die sprunghafte Politik des US-Präsidenten den internationalen Handel erheblich stört, weil sich ganze Wertschöpfungsketten durch die neuen Zoll-Realitäten umsortieren müssen. Als Nebeneffekt dessen hat sich auch der Außenwert des Euro erheblich erhöht und erreicht das höchste Niveau seit gut vier Jahren. Damit vergünstigen sich zwar einerseits Importe, insbesondere für Energie, was die Teuerung dämpft. Andererseits verteuert es Exporte ins Nicht-EU-Ausland, was zu einem Wettbewerbsnachteil für die deutschen Produkte führt, die ohnehin schon durch sehr hohe Arbeitskosten im Nachteil sind.
M+E-Industrie Sachsen
Die zentralen Konjunkturindikatoren Auftragseingang und Umsatz haben in der M+E-Industrie Sachsen in den ersten sieben Monaten leicht zugelegt bzw. stagnieren gegenüber dem Niveau des Vorjahreszeitraumes. Ausnahme ist die Elektroindustrie, die weiter bei beiden Kennzahlen kräftige Rückgänge von rund 5 bzw. 4% verzeichnet. Preiseffekte sind kleiner geworden bzw. haben sich teilweise sogar umgekehrt: Während der Auftragseingang in der Metallindustrie und im Maschinenbau nominal zulegte, preisbereinigt jedoch schrumpfte – was auf steigende Preise hindeutet – sehen sich die Elektroindustrie und der Fahrzeugbau mit sinkenden Preisen konfrontiert. Dies ist ein Indiz für Überkapazitäten bzw. Absatzprobleme bei der Platzierung der Produkte in diesen Branchen.
Die derzeitige Auslastung der Firmen reicht bei weitem nicht aus, um die Beschäftigung stabil zu halten. Entsprechend sinkt die Beschäftigtenzahl weiter und lag mit rund 182.000 im Juni so niedrig wie seit acht Jahren nicht mehr. Allein seit September 2023 hat die sächsische M+E-Industrie rund 8.000 Arbeitsplätze verloren und trägt damit das Gros des Verlusts an Industriearbeitsplätzen im Freistaat seit dieser Zeit (-11.000). Einzig der Maschinenbau konnte sein Beschäftigungsniveau in den letzten zwei Jahren annähernd konstant halten.
Die Stimmung in der sächsischen M+E-Industrie bewegt sich bereits seit gut zwei Jahren durchgängig im negativen Bereich. Anzeichen für eine Trendwende, z.B. durch gestiegene Erwartungen, sind nicht zu verzeichnen. Die Kapazitätsauslastung befindet sich mit aktuell 76% nicht weit vom Tiefpunkt während der Coronakrise (73%) und weit vom beschäftigungsneutralen Normalniveau (85%) entfernt. Daher plant auch weiterhin eine Mehrheit der sächsischen M+E-Firmen, die Produktion und stärker noch die Beschäftigung in den kommenden Monaten zu drosseln. Das Ausmaß des geplanten Beschäftigungsabbaus entspricht in etwa demjenigen, das während des Tiefpunktes der Coronakrise im Frühjahr 2020 gemeldet wurde.
Ausblick
Bisher sind keine Schritte erkennbar, wie Deutschland aus der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lähmung herausfinden kann. Abgesehen von kleineren Entlastungen, beispielsweise in Form eines Zuschusses des Bundes zur Netzentgeltumlage oder einer Streichung der Gasspeicherumlage, sind von der Bundesregierung keine Maßnahmen bekannt, die dazu geeignet wären, das Wirtschaftswachstum signifikant anzukurbeln. Stattdessen droht die Umsetzung diverser Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag wie die des Bundestariftreuegesetzes, den gegenwärtigen Zustand weiter zu zementieren. Daher wird die deutsche und die sächsische Wirtschaft auch in diesem Jahr weiter stagnieren und im kommenden nur leicht wachsen, während andere Länder sich wirtschaftlich weiter von der Bundesrepublik entfernen. Die Industrie ist von den schlechten Rahmenbedingungen Deutschlands generell stärker betroffen als der Dienstleistungssektor. Die schlägt sich auch in der M+E-Industrie nieder, die noch weiter im Rückwärtsgang verharrt.
Wenn Sie Rückfragen zur Konjunktur haben oder weitere Vergleichsdaten benötigen, wenden Sie sich gerne an Dr. Cornelius Plaul (Tel. 0351 25593 604, E-Mail: cornelius.plaul@hsw-mail.de).
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