14. März 2022

C/01/22 – Arbeitsmedizinische Regel 13.2 aktualisiert: Neue Regelungen für die Angebotsvorsorge bei Tätigkeiten mit Muskel-Skelett-Belastung

Das Bundesarbeitsministerium (BMAS) hat Ende Februar 2022 die angepasste Arbeitsmedizinische Regel (AMR) mit dem Titel „Tätigkeiten mit wesentlich erhöhten körperlichen Belastungen mit Gesundheitsgefährdungen für das Muskel-Skelett-System“ bekannt gemacht. Die Neufassung erfolgte, weil die ursprüngliche Fassung nicht mehr den Stand der arbeitswissenschaftlichen und arbeitsmedizinischen Forschung berücksichtigte. Mit dieser Bekanntmachung verliert die Bekanntmachung vom 17. November 2014 (GMBl. S. 1571 ff.) ihre Gültigkeit.

Wesentliche Änderungen sind:

  • Konkretisierung der Belastungsarten und Zuordnung zu den in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) genannten Anlässen zur Angebotsvorsorge. Zu den körperlichen Belastungsarten im Sinne der AMR zählen
    • Manuelles Heben, Halten und Tragen von Lasten,
    • Manuelles Ziehen und Schieben von Lasten,
    • Manuelle Arbeitsprozesse,
    • Ganzkörperkräfte und
    • Körperzwangshaltungen.
    • Sofern das Tragen der Last über längere Distanzen (> 10 m) oder in Verbindung mit erschwertem Gehen (z. B. Ackerboden, Schächte, Leitern, Klettern, Treppen, Steigungen/Gefälle > 10 °) erfolgt, ist auch die Belastungsart „Körperfortbewegung“ Bestandteil des Tragens.

  • Beschreibung eines Vorgehens zur Gefährdungsbeurteilung in Abschnitt 4, das die betrieblich Verantwortlichen in die Lage versetzen soll, praxisnah die Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich wesentlich erhöhter körperlicher Belastungen, die mit Gesundheitsgefährdungen für das Muskel-Skelett-System verbunden sind, durchzuführen. Es wird in der AMR auf die belastungsartenspezifischen Leitmerkmalmethoden als mögliche Screeningverfahren hingewiesen. Unternehmen können aber weiterhin auch andere Methoden einsetzen, um wesentlich erhöhte körperliche Belastung (Risikobereich 3 und 4) zu ermitteln.

  • Bei geringer Belastungshöhe reicht ein Grobscreening aus und es sind erst einmal keine weiteren aufwendigen Beurteilungen erforderlich, jedoch muss Wunschvorsorge ermöglicht werden: Liegt nach fachkundiger Beratung oder nach Durchführung eines Grobscreenings keine wesentlich erhöhte oder hohe Belastung vor, können im Einzelfall körperliche Überbeanspruchungen nicht ausgeschlossen werden. Beschäftigten muss eine Wunschvorsorge ermöglicht werden. Über die Möglichkeit der Wunschvorsorge nach § 5 ArbMedVV muss z. B. im Rahmen der Unterweisung informiert werden. Dabei ist laut AMR 13.2 die Arbeitsmedizinische Empfehlung Wunschvorsorge zu berücksichtigen. Arbeitsmedizinische Empfehlungen haben allerdings keine Vermutungswirkung sondern allein Empfehlungscharakter.

In diesem Zusammenhang sei auf die aktualisierte DGUV Information 208-033 “Muskel-Skelett-Belastungen – erkennen und beurteilen” verwiesen, in der praktische Tipps zur Gefährdungsbeurteilung bei körperlicher Belastung zusammengefasst dargestellt sind.

Für ein erstes Grobscreening im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung können Unternehmen auch den Basis-Check und das Einstiegsscreening bei körperlicher Belastung nutzen, welches die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bereitstellt.

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